Kleine und große Glücksmomente

Juhuu! Es ist soweit, die Reise kann los gehen! Das Praktikum ist vorbei und in zwei Stunden landet Ehsan. Natürlich hole ich ihn vom Flughafen ab. Ich bin auf seine großen Augen gespannt und freue mich total, dass er diesen Wahnsinn hier nun auch bald selbst erleben darf. Und vor allem freue ich mich natürlich auf unsere Reise.

Grüne Parallelwelten

Mumbai zerrt schon ziemlich an den Nerven, aber es gibt so viel Tolles zu entdecken und sogar ein paar Fluchtmöglichkeiten ins Grüne. Zum Beispiel in Malabar Hill, einem eher schicken Stadtteil von Mumbai. Vom Park aus kann man über die ganze Back Bay runter auf den Chowpatty Beach schauen, es gibt einen schönen Jain Tempel zu besichtigen und ganz im Süden ist der Banganga Tank, ein Wasserbecken, das als heilig gilt und für religiöse Rituale herhalten muss (die beinhalten anschließend den Müll direkt ins Wasser zu werfen). Am Becken ist es total ruhig, hier fährt kein Auto, niemand hupt. Wenn man dort hockt, fühlt man sich kurzfristig in eine italienische Altstadt versetzt.

Mumbai Mallabar Hill
Banganga Tank - eine kleine Oase der Ruhe mitten in Mumbai
Mumbai Malabar Hill
Blick von Malabar Hill auf den Chowpatty Beach

Sanjay Gandhi Nationalpark

Um mal ein paar Schritte durchs Grüne zu machen, war ich mit ein paar Mädels im Sanjay Gandhi National Park. Wir sind eine ganze Weile gelaufen und unterwegs auf eine putzige Affenfamilie gestoßen. Ziel waren die Kanheri Höhlen, in denen es leider genauso heiß war wie draußen. Kurz nachdem wir angekommen waren, kam ein richtiger Regenguss runter und wir haben eine gute Stunde vor einer Höhle verharrt, bevor es weiter gehen konnte. Wie sich herausstellte, hat der Regen nicht nur eine super Verschnaufpause geboten (es ist echt anstrengend bei weit über 30 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit zu wandern!), sondern gleich ein ganzes Naturschauspiel ermöglicht. Das Wasser preschte nur so vom Berg runter und hat an mehreren Stellen Wasserfälle erzeugt, teilweise wurden die Treppen und Wege komplett überspült.

Als wir später wieder im Tal angekommen waren, haben wir uns auf eine Löwen- und Tigersafari gefreut, die sich als totaler Flop entpuppte. Mit einem vergitterten Bus sind wir erst zu den Löwen und dann zu den Tigern gefahren – die in einem winzigen Käfig waren! Wir hatten uns dann schon anders vorgestellt. Wozu der Bus? Die Tiere sind doch eh im Käfig! Als würde man im Zoo an den Gehegen mit einem Auto entlangfahren. Wesentlich spannender als die zwei müden Löwen und zwei faulen Tiger, war das Aufspringverhalten der Fahrgäste bei der (vermeintlichen) Sichtung einer Raubkatze :-).

Mumbai Sanjay Ghandi NP
Überflutet innerhalb kürzester Zeit. Treppen nach einem Regenguss.
Mumbai Sanjay Ghandi NP
In der Höhle war es glücklicherweise trocken.

Elephanta Island

Ein anderes grünes Fleckchen ist Elephanta Island, eine Insel gut 10 km von Mumbai entfernt. Mit einem Deluxeboot, dessen Bezeichnung mir schleierhaft ist (eine Stunde dicht an dicht mit anderen Fahrgästen auf einer Holzbank sitzen), kommt man hin. Auf der Insel gibt es ein paar fiese Affen, wieder ein paar Höhlen und zwei Kanonen (super spannend, haha) zu besichtigen. Die Insel ist ziemlich stark von Touris überflutet und echt keinen Ausflug wert, wenn man nur kurz in der Stadt ist. Aber um mal der Hektik zu entfliehen, durchaus okay. Und ich konnte meine to-shop-Liste vervollständigen, ein Paket mit Erinnerungen ist nun nach Deutschland unterwegs.

Mumbai Elephanta Island
Elephanta Island
Mumbai Elephanta Island
Ganz schön wissbegierig. Die Besucher wollen alle hören, was der Guide über die Götterbilder erzählt.
Mumbai Elephanta Island
Diese Warnung sollte man ernst nehmen: Die Affen sind hier besonders dreist.
Mumbai Elephanta Island
Dabei sehen sie doch so friedlich aus!

2 Monate allein. Und überglücklich

So. Gleich hole ich Ehsan ab. Die letzten zwei Monate sind wie im Flug vergangen. Nach einer beschissenen ersten Woche (wegen der ungeklärten Wohnsituation) hatte ich so viele tolle Tage hier. Ich habe nette Leute kennengelernt, viel gutes Essen gegessen und indische Kultur hautnah erfahren, was mir sicherlich vorenthalten geblieben wäre, wenn ich nur als Touristin hier gewesen wäre. Ich bin so unendlich froh, dass ich den Schritt nach Mumbai gewagt habe. Es gab Momente – da ist eigentlich gar nichts besonderes passiert – da habe ich einfach nur Glück gespürt. Das war mal morgens im Taxi, mit Sonne und Fahrtwind im Gesicht, auf dem Weg zur Arbeit. Mitten auf einer Kreuzung, umgeben von hunderten Menschen, Kühen, Autos, Rikshaws. Oder im Café beim Chai Latte nach ein paar Stunden Stadterkundung. Plötzlich kommt dieses Gefühl und ich habe ein dickes Grinsen im Gesicht. Ich kann jedem nur empfehlen die Moneten zusammenzukratzen und die große weite Welt zu erkunden.

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