Gorontalo: Von Selfies und Krankenhäusern

Ein Zwischenstopp in Gorontalo, einer Stadt an die wir keine besonderen Erwartungen stellen, entpuppt sich als besonders ereignisreich und denkwürdig. Tja, Indonesien hält halt immer Überraschungen für einen bereit.

Nach Bunaken wollen wir auf die Togian Islands. Denn alles, was ich darüber bisher gelesen hatte, hörte sich nach Paradies pur an. Und zwar so sehr, dass wir die lange Anreise dahin gerne in Kauf nehmen.

Obwohl wir auf Reisen ja gerne einfach so in den Tag hinein leben und ganz spontan entscheiden, wohin es am nächsten (oder selben) Tag gehen soll, funktioniert das in dem Fall nicht. Denn die Fähre auf die Togians fährt nur dienstags und freitags von Gorontalo ab. Der Blick auf den Kalender sagt: Entweder ganz schnell nach Gorontalo und Dienstag ablegen oder sich Zeit lassen und erst Freitag aufs Schiff. Da wir schon nach wenigen Tagen auf Sulawesi wissen, dass sich der Transport wie Kaugummi ziehen kann und wir gerne nach den Togians noch etwas Puffer haben wollen, entscheiden wir uns für die Fähre am Dienstag.

Um von Bunaken bzw. Manado nach Gorontalo zu kommen, haben wir zwei Optionen: Wir nehmen den Bus, der gut 13 Stunden braucht oder das Flugzeug, das in 45 Minuten dort ist. Da die Inlandsflüge wirklich günstig sind und die Zeitersparnis für uns überwiegt, buchen wir den Flug. Die Flugbuchung, die eigentlich mit ein paar Klicks erledigt wäre, dauert eine kleine Ewigkeit. Die Internetverbindung auf Bunaken ist sehr schlecht und am Ende will das Buchungsportal unsere Kreditkarte nicht. Gut, dass die Frau unseres Gastgebers auf Bunaken einfach die Flüge mit ihrer Karte zahlt und wir ihr das Geld dann Cash geben. Was lernt man daraus? Man braucht auf Sulawesi verdammt viel Geduld und muss immer damit rechnen, dass doch alles klappt :-).

Einmal Luxus, bitte!

Zusammen mit einem Paar aus Österreich, das ebenfalls Richtung Togians will, fliegen wir nach Gorontalo. Das erste was wir von dieser Stadt erfahren, ist ungewohnter und übermäßiger Luxus. Da wir in den nächsten Tagen eher back-to-the-roots-mäßig leben werden, gönnen wir uns ein richtig gutes Hotel. Dass ein Page unser Gepäck in Empfang nimmt und während des ungefähr 20-minütigen Eincheckens brav neben uns stehen bleibt bis er es uns in Zimmer bringt, ist für mich auf jeden Fall sehr ungewohnt! Und am Abend gibt es sogar Pizza, weil wir tatsächlich einmal westlich essen wollen, bevor es nur noch Reis gibt. Diese fällt allerdings doch recht indonesisch (zumindest würde ich keine Möhren drauf tun). Da Ehsan leicht kränkelt, gehen wir anschließend zurück zum Hotel und ziemlich früh ins Bett.

Selfie-Alarm im Krankenhaus

Da die Fähre auf die Togians erst am Nachmittag fahren soll, haben wir die erste Tageshälfte Zeit, um Gorontalo erkunden. Was aber machen wir? Wir fahren ins Krankenhaus.

Da es Ehsan schon am Tag zuvor nicht so richtig gut ging und er sich leicht fiebrig fühlte, überkam ihn plötzlich die Angst Malaria oder ähnliches zu haben. Mit der Sicherheit keine ärztliche Versorgung auf den Togians vorzufinden, entscheiden wir, ihn kurz durchchecken zu lassen. Meine einfache Nachfrage nach dem nächsten Krankenhaus an der Hotelrezeption mündet unerwartet in der Bereitstellung eines Fahrers, der uns in einem dicken Auto durch Gorontalo fährt, um uns direkt zum Krankenhaus zu fahren.
Und was jetzt kommt, ist einfach herrlich indonesisch: Unser Fahrer geht rein und will Ehsan als Patient anmelden. Kurze Zeit später kommt er wieder und meint „The doctor is late“. Also fragen wir, ob wir einfach warten sollen. Der Fahrer grübelt und antwortet nach einer Weile: „The doctor is getting married.“ Okay, denken wir, dann sollten wir vielleicht ein anderes Krankenhaus aufsuchen, wenn der gute Arzt (gibt es nur einen?) gerade heiratet, das könnte schließlich länger dauern ☺.

Also fahren wir zum nächsten Krankenhaus, wo wir mehr Glück haben. Neugierig werden wir beäugt (wie immer). Eine Ärztin untersucht Ehsan und kommt zu dem Entschluss, er habe nichts Schlimmes, sie würde ihm ein paar Medikamente mitgeben. Wir bezahlen die Arztrechnung von umgerechnet acht Euro und stiefeln einem jungen Mann hinterher, der uns zur Medikamentenausgabe bringt. Hinter der Glasscheibe, durch die wir die Rezepte reichen, kichern die Krankenschwestern – wir scheinen hier besonders beliebt zu sein ☺. Original indonesisch dauert es ziemlich lange bis die Medikamente zusammengestellt werden.

Zwischenzeitlich sehen wir, dass ein Smartphone an der Scheibe hochgeschoben wird und wir offenbar schon wieder fleißig fotografiert werden. Da der Haufen Krankenschwestern darin so freundlich und freudig ist, entschließen wir uns kurzerhand den Spieß diesmal umzudrehen und sie zu fragen, ob wir ein Foto mit ihnen machen können. Und wie wir das können! Als wir fragen, rasten die Krankenschwestern völlig aus. Kreischend kommen sie alle raus mit ihren Handys, das schnell einem männlichen Kollegen in die Hand gedrückt wird, der dann mit jeder Kamera mal abdrücken muss. Verrückt! Bei so viel Freude und Lachen geht es Ehsan dann direkt auch schon wieder besser!

Ehsan reicht sein Rezept ein.

Ausrasten.

Erlebnis des Tages: Unser Gruppenbild mit den Krankenschwestern

Rupien-Jagd

Nach der Krankenhausgeschichte machen wir uns auf die Jagd nach noch mehr Geld, obwohl wir am Vortag schon einiges abgehoben haben. Denn auf den Togians kann man nur bar bezahlen. Das heißt, wir müssen so viel Rupien mitnehmen, wie wir nur kriegen. Schließlich wissen wir nicht, wie lange wir bleiben wollen und wie viel Geld wir für Unterkünfte brauchen. Wir laufen also von ATM zu ATM bis beide Kreditkarten nichts mehr ausspucken. Ich glaube am Ende haben wir es auf 10 Millionen Rupien oder so gebracht (ca. 680 Euro). Das sollte auf jeden Fall reichen.

Mit dem Bentor zum Hafen

Von Gorontalo haben wir leider nicht besonders viel gesehen. Nach der Rumfahrerei zum Krankenhaus, dem langen warten dort und bei der Medikamentenausgabe sowie dem ATM-Run, blieb uns leider nicht mehr viel Zeit. Denn obwohl die Fähre erst am späten Nachmittag ablegen soll (den genauen Zeitpunkt kennt allerdings keiner), heißt es, wir sollten besser mittags am Hafen sein.

Mit dem Bentor, einer Motorrad-Rikscha machen wir uns also auf den Weg, um auf die Fähre zu gehen. Aber das ist schon eine neue Geschichte…

Kurz mal Probesitzen auf dem Bentor. Normalerweise sitzt hier natürlich der Fahrer.

Hinterlass mir einen Kommentar