Unterwegs auf Mallorca

Der Name „siebzehntes deutsches Bundesland“ kommt nicht von ungefähr, hier strömen so viele deutsche Touristen hin…Ich selbst habe auch schon das ganze Programm mitgemacht, zweimal Ballermann und einmal Pauschalurlaub – und das reicht dann auch. Dass die Insel mehr zu bieten hat als Alkoholexzesse und schlechtes Hotelessen, versteht sich von selbst. Deshalb sind Ehsan und ich dann im Mai 2012 mal ganz „individuell“ abseits der Säufer und Rentner hier unterwegs gewesen. Zuerst waren wir drei Nächte in Palma und anschließend hatten wir eine kleine Holzhütte am Ortsrand von Sóller, mitten im Tramuntanagebirge im Westen der Insel.

Palma

Palma ist wirklich wunderschön und wartet mit mehr als einer Kathedrale auf. Es gibt viele nette Gassen, kleine Cafés. Ein echter Tipp ist das Café Ca´n Juan de S´Aico (Carrer de Can Sanç, 10). Urige Atmosphäre, fantastische Schokolade, leckere Kuchen und: die Kellner sprechen kein Deutsch, auch haben wir hier niemanden als Touristen identifiziert. Also durchaus ein Geheimtipp . Unbedingt sollte man auch mal in die Banys Àrabs (Carrer de Serra, 7), die arabischen Bäder. Die Bäder selbst sind weniger interessant, denn sie sind nur noch in Resten vorhanden. Schön ist aber der kleine Garten drum herum, wenn alles blüht. Eine Oase der Ruhe. Perfekt um dort mal auszuschnaufen. Was auch lohnt, ist der Besuch des Castell Belver, den von hier aus kann man erst einen super Ausblick genießen und anschließend direkt etwas wandern gehen; um das Castell ist alles grün und es gibt kleine Wanderwege. Richtig schön ist übrigens eine Radtour entlang der Küste. Wir sind von Palma aus bis zu den Balnearios (hört sich besser an als Ballermänner ) gefahren. Unterwegs gibt es schöne Teilabschnitte mit Stränden, die nicht ganz so übervölkert sind, der Wind weht und man kommt an süßen Häusern vorbei.

Sóller

Statt Bettenhochburg geht auch das auf Mallorca: Kleine Holzhütte, die nur ein Bett und ein Regal beherbergt, Bad, Küche und Wohnzimmer im Freien! Am Rand von Sóller haben wir genau so eine Hütte für eine Woche gemietet. Mitten im Zitronenhain stand sie, gut versteckt, von der Straße aus überhaupt nicht zu sehen. Und ein Pferd und ein Pony gehörten auch noch dazu. Draußen zu duschen oder zu kochen ist einfach herrlich! Freiheit pur, niemand stört einen.

Sóller selbst hat die beste Eisdiele der Insel zu bieten: Sa Fabrica de Gelats (Plaça del Mercat). Handgemachtes Orangen- und Zitroneneis gibt es hier, sehr lecker. Abends ist es auch im Ort sehr nett, haben hier das ein oder andere Glas Wein getrunken. Abends sind hier in erster Linie Einheimische unterwegs, Sóller wird nur mittags kurzfristig von Besuchern überspült, die einen Tagesauflug mit dem Zug machen: Die werden einmal über der Stadt „ausgekippt“ und fahren nach einer Stunde wieder zurück.

Obwohl uns die einfache Hütte begeistert hat, verschweigen wir nicht, dass die erste Nacht für uns ein Albtraum war: Am ersten Abend saßen wir draußen vor der Hütte im Dunkeln und haben was gespielt, als plötzlich in betäubender Lautstärke ein Schuss fiel, der in unmittelbarer Nähe gewesen sein muss. Uns sind fast die Ohren weggefetzt. Den Schuss haben wir im ganzen Körper gespürt, da wir ja mitten im Tal waren und so jedes Geräusch sehr hallt. Wir haben uns natürlich total erschrocken und nicht nur das: Wir hatten echt Schiss. Da unsere Hütte völlig abseits jeglicher Zivilisation lag und ringsherum alles stockfinster war, wurde uns doch echt mulmig und sind dann reingegangen. Später haben wir noch mehr Schüsse gehört, die waren dann aber weiter weg. Wir haben nie herausgefunden, warum mitten in der Nacht geschossen wurde. Jäger? Aber wer jagt schon im Dunkeln? Jedenfalls hat uns das die erste Nacht und auch noch die zweite ziemlich versaut.

Mit dem Auto über die Insel

Für diese Art zu reisen, braucht man natürlich unbedingt ein Auto. Sóller liegt nicht direkt am Meer, dafür muss man gut 5 km weiter nach Port de Sóller fahren. Von Anfang an war für uns klar, dass wir in dieser Woche die Insel erkunden. Die Westküste ist wirklich wunderschön. Allein ist man hier natürlich auch nicht, die meisten Touris, die mit Auto unterwegs sind, fahren mal die Westküste ab. Das dauert auch schon fast einen Tag, da die Serpentinen Zeit kosten. Aber der Weg ist ja das Ziel! Wir haben uns jeden Tag andere Ziele ausgesucht, zweimal waren wir auch einfach nur bei uns am Strand und haben das Auto dann so gut wie stehen gelassen.

 

Mallorca ist abseits der Klischees wirklich nett. Man sollte jedoch nicht glauben, dass man in den ruhigeren Ecken allein wäre – auch hier tummeln sich genügend Touristen…

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