Roadtrip durch Marokko – Teil 1: Telouet – Ait Ben Haddou – Tamegroute

Nach zwei vollen Tagen im heißen, spannenden und chaotischen Marrakesch, sind wir ganz froh, dass wir die hartnäckigen Verkäufer endlich abschütteln und uns jetzt ein Bild von Marokkos Natur machen können.

Auf die Plätze, fertig, los…

Doch die Verkäufer werden wir selbst hier erstmal nicht los. Im Atlas Gebirge stehen alle paar Kilometer Männer am Straßenrand, die u.a. Edelsteine aus dem Gebirge an Touristen verkaufen wollen. Und die stehen schlauerweise immer da, wo besonders schöne Aussichtspunkte sind. An sich ist das ja nicht schlimm, doch die Herren lassen nicht locker, wenn man ihre Angebote freundlich ablehnt. Da hilft nur eins: Kamera bereithalten, für ein Panorama-Foto aus dem Auto springen und genauso schnell wieder rein und weiterfahren. Schade, denn die Landschaft hier ist wunderwunderwunderschön und hätten wir oftmals gerne einen Augenblick länger genossen.

Tizi n’Tichka

Auf dem Weg Richtung Süden überqueren wir den Tizi n’Tichka, einen 2.260 m hohen Pass und erleben damit nur 100 km von Marrakesch entfernt eine komplett andere Landschaft. Auf den höchsten Bergen liegt noch Schnee, manchmal ist es aber auch das sog. Katzensilber, das im Sonnenlicht hell strahlt. Was es auch ist, mit dem satten Grün um uns herum, sieht es einfach toll aus.

Atlas Gebirge Marokko

Telouet

Unser erste Ziel ist Telouet bzw. eine Unterkunft 12 km vor dem eigentlichen Ort. Die Ausfahrt verpassen wir direkt, so unscheinbar ist sie. Eine kleine Ruckelpiste führt uns nun mitten rein ins Atlas Gebirge. (Gut, dass der Mietwagen eh schon komplett verbeult ist.)

Als wir an unserer Unterkunft ankommen, sind wir direkt verliebt in diesen Ort. Grüne Felder, das Gebirge drumherum, Schafs- und Ziegenherden, ein ausgetrocknetes Flussbett und die absolute Ruhe. Unser Gastgeber ist super nett und macht uns ein großartiges Mittagessen, das wir im Schatten im Garten genießen. Allein, wenn ich daran zurückdenke, entspannt sich alles in mir. So schön war es dort.

Trotzdem haben wir uns nach dem Mittagssnack direkt ins Auto gesetzt, um uns Telouet und die Kasbah von Telouet anzusehen. Immerhin fährt man hier noch mal eine gute halbe Stunde bis in den Ort. Die Kasbah ist unsere erste (von vielen folgenden) und soll sehr verfallen sein. Umso überraschter sind wir, als wir innen die renovierten Räumlichkeiten mit Mosaiken entdecken. Es sollte sich herausstellen, dass dies sogar eine der interessantesten Kasbahs war, die wir auf der Reise gesehen haben.

In Telouet selbst ist nicht viel los. Wir holen uns eine Limo und setzen uns an einen Tisch, von wo wir den gesamten Ort sehen können (es ist wirklich sehr klein).

Kasbah Telouet

Die Kasbah von Telouet. Außen ziemlich mitgenommen, innen hübsch renoviert.

Telouet

Telouet „downtown“. Mehr ist hier nicht los.

Roadtrip Feeling

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Ait Ben Haddou, was in einer guten Stunde erreichbar sein soll. Kilometer für Kilometer schleppen wir uns über eine grobe Schotterstraße vorwärts. Kein Wunder, dass wir am Ende fast drei Stunden gebraucht haben! Aber der Umweg hat sich gelohnt – sonst hätten wir den ultimativen Roadtrip-Weg verpasst… Und der Schotterweg hatte auch irgendwann ein Ende und wurde zu einer asphaltierten Straße. Es geht vorbei an roten Bergen und grünen Tälern. Für genau solche Ausblicke macht man eben einen Roadtrip!

Roadtrip Marokko

Die Ruckelpiste nach Ait Ben Haddou. In Kürze sicher schon besser ausgebaut.

Oase Marokko

Schöne Aussichten zwischendurch: Dörfer, Lehmbauten, Oasen.

Ait Ben Haddou

Ait Ben Haddou ist heiß. Verdammt heiß. Also warten wir noch ein Stündchen bevor wir uns zur weltberühmten Ksar auf den Weg machen. Die sehen wir sowieso direkt von unserem Fenster aus und unserer Dachterrasse. Der Ausblick: fantastisch. Die Menschenmassen: zu erwarten. Überraschenderweise werden wir von den “Guides” ausnahmsweise komplett in Ruhe gelassen, die wir vom Fenster aus noch eifrig beim Rekrutieren von Kunden beobachten konnten. Liegt wohl an der Uhrzeit: Am späten Nachmittag ist die große Touristenschwemme bereits vorbei.

Ait Ben Haddou

Blick von unserer Unterkunft aus: Direkt auf die berühmte Ksar.

In den Dünen von Tinfou

Nach Marokko sind wir vor allem wegen der Wüste gekommen. Und einen ersten Vorgeschmack auf die Dünen der Sahara bekommen wir am nächsten Tag in den Dünen von Tinfou. Auf dem Weg dahin passieren wir noch die Stadt Zagora, die überraschend modern und aufgeräumt ist. Da es mittags ist und verdammt heiß, suchen wir uns erst ein Schattenplätzchen im Café und später im Restaurant. Anschließend geht es weiter Richtung Tamegroute, dem Ort der unserem Hotel am nächsten ist.

Zagora

Zagora

Tamegroute

Tamegroute

Sahara Sky Hotel

Wir checken im Sahara Sky Hotel ein. Das Hotel liegt direkt an den Dünen von Tinfou, die wir nur kurze Zeit später direkt besteigen. Man muss sagen: Die Dünen sehen aus wie zwei aufgeschüttete Sandhaufen im Nichts. Drumherum ist überall trockener, lehmiger Boden und auf dem stehen dann plötzliche zwei monströse Sandberge. Das Bild entspricht natürlich nicht dem Sahara-Klischee, schön ist es aber trotzdem.

Wegen den Dünen von Tinfou sind wir aber eigentlich gar nicht hier. Sondern wegen dem Sahara Sky Hotel an sich. Hier kann man nämlich wunderbar Sterne beobachten, da auf dem Dach mehrere Teleskope stehen und der Hotel-Astronom Patrick geführte Sternenbeobachtungen macht. Nach einem Abstecher in Tamegroute mit (halbwegs freiwilliger, aber sehr teurer) Führung durch Kasbah, Bibliothek und Co. und einem wunderbaren Abendessen im Garten-Restaurant Jnane-Dar Diafa, ist es dann auch dunkel genug und die Sternenbeobachtung kann losgehen.

Dünen von Tinfou

In den Dünen von Tinfou. Mit Brautkleid. Und zwar ziemlich zerknittert.

Sterne über Marokko

Wir haben richtig Glück. Mit uns ist nur noch ein weiteres Ehepaar da, am Vortag sollen 30 Hobby-Astrologen aus Portugal da gewesen sein. Zu viert ist das Ganze natürlich sehr entspannt und Patrick, der Astronom, kann uns in Ruhe alle mögliche zu den Sternen erklären. Wir sehen Jupiter mit seinen vier Monden, diverse Sternenhaufen, Galaxien und den Aufgang des Mondes. Knapp drei Stunden verbringen wir damit durch Teleskope zu schauen. Selbst am nächsten Morgen dürfen wir uns beim Frühstückstisch die Sonne durch ein Teleskop ansehen.

Die Sternenbeobachtung war sicher ein weiteres Highlight auf unserer Reise durch Marokko. Allerdings: Das Sahara Sky Hotel ist die teuerste und gleichzeitig schlechteste Unterkunft, die wir hatten. Das Frühstück war miserabel, das Zimmer dem Preis sicher nicht angemessen. Bereut haben wir es trotzdem nicht: Die Lage ist toll und so eine Sternenbeobachtung kriegt man natürlich nicht alle Tage geboten.

Atlas Gebirge Marokko
Marokko Landschaft

Kann ziemlich karg hier sein.

Tamegroute

Auf dem Weg in die Wüste: Das Land wird flacher.

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